Vom Widget-Wahn zum Design-Sinn: Warum exzellente Software ein Menschenrecht ist
Christoph Kolb | wahnsinn.design
07.04.2026 57 min Thomas Schindler | delodi.net
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser Episode des SWAD Inside Podcasts begrüßt Thomas Schindler einen Gast, der die Welt der Software durch die Brille eines Wirtschaftspsychologen betrachtet: Christoph „Chris“ Kolb. Der 42-jährige Kölner und Familienvater blickt auf eine fast 18-jährige Unternehmensgeschichte zurück, die 2008 mit der Gründung der Widget GmbH begann. Gemeinsam mit seinem Studienfreund Alex Hoening startete er in einer Ära, als Widget-Marketing auf Plattformen wie MySpace und Facebook noch in den Kinderschuhen steckte, bevor das Team frühzeitig das Potenzial von fokussierten App-Funktionen erkannte. Chris beschreibt seinen Weg in das Software-Design als eine Evolution, die stark von seinem Psychologiestudium geprägt wurde – einem Fachbereich, der für ihn oft mehr spannende Fragen aufwarf als Antworten lieferte und ihm die fundamentale Komplexität menschlichen Verhaltens vor Augen führte.
Im Jahr 2018 vollzog das Unternehmen einen mutigen Rebranding-Schritt hin zu „Wahnsinn Design“, einem Namen, der die produktive Spannung zwischen kreativer Schöpfung und rationalem Editieren widerspiegelt. Chris erläutert, dass der „Wahn“ für den schöpferischen Prozess steht, in dem alles möglich scheint, während der „Sinn“ als Korrektiv fungiert, um Lösungen für die reale Welt zu schleifen. Dieses duale Prinzip, das visuell durch ein vom Yin-und-Yang-Symbol inspiriertes Logo untermauert wird, bildet das Fundament ihrer Philosophie: Gutes Design ist kein Luxus, sondern ein Menschenrecht. Chris argumentiert leidenschaftlich gegen schlechtes Design, das Nutzer frustriert oder gar durch Mechanismen wie den „Endless Scroll“ soziale Schäden anrichtet, und setzt sich stattdessen für Software ein, die ehrlich ist und einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leistet.
Die Arbeitsweise von wahnsinn.design zeichnet sich durch eine „bewusste Naivität“ aus, mit der das Team in Projekte eintaucht, um festgefahrene Paradigmen in Startups ebenso wie in DAX-Konzernen zu hinterfragen. Statt sich in endlosen Dokumentationen zu verlieren, setzen sie auf designgetriebene Evolution und provokante Prototypen, die oft erst durch ein klares „Nein“ des Kunden den Weg zur wahren Lösung ebnen. Ein besonders berührendes Beispiel für die Wirkung ihrer Arbeit ist ein Projekt für den Malteser Herzenswunsch-Krankenwagen, bei dem eine maßgeschneiderte Software die Organisation letzter Wünsche für palliativmedizinisch betreute Menschen erleichtert. Auch im industriellen Kontext erzielen sie drastische Effekte, etwa indem sie einen 24-stündigen Prozess bei der Softwareverteilung in Fahrzeugen auf nur drei Minuten verkürzten und so wertvolle kreative Freiräume für hochqualifizierte Ingenieure schufen.
Zum Abschluss reflektieren Thomas und Chris über das Stockdale-Paradoxon als Werkzeug für Krisenzeiten: Die Fähigkeit, der brutalen Realität ins Auge zu blicken und gleichzeitig einen unerschütterlichen, langfristigen Optimismus zu bewahren. Chris plädiert dafür, dass Software den Menschen mehr Handlungsspielraum („Agency“) geben sollte, anstatt sie mit unnötigem Ballast aufzuhalten. Trotz seiner jahrzehntelangen Erfahrung verteidigt er seine Neugier und die Bereitschaft, Fehler als Teil eines iterativen Lernprozesses zu akzeptieren, um die Welt Stück für Stück durch besseres Design zu verbessern.
Im Jahr 2018 vollzog das Unternehmen einen mutigen Rebranding-Schritt hin zu „Wahnsinn Design“, einem Namen, der die produktive Spannung zwischen kreativer Schöpfung und rationalem Editieren widerspiegelt. Chris erläutert, dass der „Wahn“ für den schöpferischen Prozess steht, in dem alles möglich scheint, während der „Sinn“ als Korrektiv fungiert, um Lösungen für die reale Welt zu schleifen. Dieses duale Prinzip, das visuell durch ein vom Yin-und-Yang-Symbol inspiriertes Logo untermauert wird, bildet das Fundament ihrer Philosophie: Gutes Design ist kein Luxus, sondern ein Menschenrecht. Chris argumentiert leidenschaftlich gegen schlechtes Design, das Nutzer frustriert oder gar durch Mechanismen wie den „Endless Scroll“ soziale Schäden anrichtet, und setzt sich stattdessen für Software ein, die ehrlich ist und einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leistet.
Die Arbeitsweise von wahnsinn.design zeichnet sich durch eine „bewusste Naivität“ aus, mit der das Team in Projekte eintaucht, um festgefahrene Paradigmen in Startups ebenso wie in DAX-Konzernen zu hinterfragen. Statt sich in endlosen Dokumentationen zu verlieren, setzen sie auf designgetriebene Evolution und provokante Prototypen, die oft erst durch ein klares „Nein“ des Kunden den Weg zur wahren Lösung ebnen. Ein besonders berührendes Beispiel für die Wirkung ihrer Arbeit ist ein Projekt für den Malteser Herzenswunsch-Krankenwagen, bei dem eine maßgeschneiderte Software die Organisation letzter Wünsche für palliativmedizinisch betreute Menschen erleichtert. Auch im industriellen Kontext erzielen sie drastische Effekte, etwa indem sie einen 24-stündigen Prozess bei der Softwareverteilung in Fahrzeugen auf nur drei Minuten verkürzten und so wertvolle kreative Freiräume für hochqualifizierte Ingenieure schufen.
Zum Abschluss reflektieren Thomas und Chris über das Stockdale-Paradoxon als Werkzeug für Krisenzeiten: Die Fähigkeit, der brutalen Realität ins Auge zu blicken und gleichzeitig einen unerschütterlichen, langfristigen Optimismus zu bewahren. Chris plädiert dafür, dass Software den Menschen mehr Handlungsspielraum („Agency“) geben sollte, anstatt sie mit unnötigem Ballast aufzuhalten. Trotz seiner jahrzehntelangen Erfahrung verteidigt er seine Neugier und die Bereitschaft, Fehler als Teil eines iterativen Lernprozesses zu akzeptieren, um die Welt Stück für Stück durch besseres Design zu verbessern.