SWAD Inside der Business Podcast der Software Allianz Deutschland über Vernetzung und Sichtbarkeit. Kurz reden, groß wirken, wo aus Gedanken Synergien werden.
Vom Commodore zum Cobra
Björn Groenewold | hyperspace
19.05.2026 28 min Thomas Schindler | delodi.net
Björn Groenewold ist 44, Friese, und seit seiner Kindheit von Computern besessen. Sein Vater programmierte Leasing-Software auf einem Commodore 128, gespeichert auf Kassette – der kleine Björn saß daneben und war Feuer und Flamme. Heute führt er hyperspace als Remote-first-Unternehmen mit einer bunt gemischten Crew, die über ganz Deutschland verteilt arbeitet. Ein Gespräch über Leidenschaft, Freiheit und die Frage, ob KI-generierter Code wirklich gut genug ist.
Vom Schneider PC zum Unternehmer
Der Weg war eigentlich vorgezeichnet: Computerclub jeden Donnerstagabend und Samstagnachmittag, ein MS-DOS-Kurs mit 8 oder 9 Jahren, und das erste echte Erfolgserlebnis, als der junge Björn ein Speicherproblem auf dem Vater-PC löste, an dem der professionelle Softwareentwickler einen ganzen Tag lang gescheitert war. Der Vater rief den Entwickler an: „Du brauchst nicht mehr zu kommen. Mein Sohn hat das hinbekommen."
Gründung aus dem Fotostudio heraus
Hyperspace begann nicht mit Code, sondern mit Partyfotos. Björns erster Nebenjob zu Schulzeiten waren Fotoaufträge – seine ersten eigenen Rechnungen. Von dort wuchs es organisch: Der erste Kunde, der Solarpanel-Hersteller Aleo Solar, brauchte einen Online-Shop auf XT-Commerce-Basis. Der erste Mitarbeiter startete auf 450-Euro-Basis. Kommuniziert wurde über ICQ – weil es Slack und Teams schlicht noch nicht gab.
Remote-first, bevor es einen Namen dafür gab
Hyperspace war von Tag eins remote. Nicht aus Pandemie-Not, sondern aus Überzeugung. Björn stellte gezielt Leute ein, die nicht ins Büro kommen konnten – mit 16 MBit und ICQ. Heute nutzt das Team Elements (ehemals Riot) auf einem eigenen Server für die interne Kommunikation. Externe Tools wie Teams kommen nur dann zum Einsatz, wenn der Kunde es will. Freitags gibt es ein freiwilliges virtuelles Beisammensein – über Gott und die Welt, bewusst abseits von IT.
Die Cobra auf dem Kiez
Björn beschreibt seine eigene Rolle mit einem Hamburger Begriff: Er ist die „Cobra" – jemand, der auf dem Kiez unterwegs ist und Leute reinbringt. Statt im operativen Tagesgeschäft zu stecken, ist er auf Netzwerk-Events, trinkt Bier und spürt auf, wer hyperspace brauchen könnte. Das Projektgeschäft und die Kundenführung überlässt er bewusst seiner Projektmanagerin.
Passung vor Perfektion
Bei hyperspace muss das Gesamtpaket stimmen – nicht der perfekte Lebenslauf. Björn fragt Bewerber, ob sie Lust auf ein bestimmtes Projekt haben, und respektiert ein Nein. Als ein Entwickler ein Projekt ablehnte, weil es mit Tierschlachtung zu tun hatte, akzeptierte Björn das ohne Diskussion und verteilte um. „Ich esse Fleisch, er nicht – ist okay."
KI: Heiß geliebt, aber nicht blind vertraut
Fast alle im Team sind begeistert von KI – mit einer Ausnahme: der promovierte Physiker, der lieber selbst coden will. Björn experimentiert intensiv mit Cursor und verschiedenen LLMs, hat sogar die eigene Website damit gebaut. Das Ergebnis sieht gut aus und läuft schnell – aber als die Physikerin den Code reviewte, war ihr Urteil hart: miserabel. Dazu kommt das Problem der Reproduzierbarkeit: Gleiche Frage, anderer Tag, anderes Ergebnis. Björns Fazit: Man darf der KI nicht blind vertrauen – und der Token-Verbrauch geht schnell ins Geld.
Die Gefahr des „Cursor-in-10-Minuten"-Denkens
Björn sieht eine wachsende Kluft: Nicht-IT-Menschen glauben zunehmend, mit KI-Tools könnten sie Web-Portale oder Apps ohne Validierung bauen. Und potenzielle Kunden fragen: „Warum dauert das so lange? Wirft man das nicht einfach in Cursor rein?" Die Antwort ist kompliziert – und genau deshalb wichtig.
Wunsch an die Welt: Frieden
Zum Schluss wird Björn nachdenklich. Sein Wunsch ist schlicht: Frieden. Die Dauerkrise – Gas, Corona, Kriege – lähmt nicht nur Menschen, sondern auch Unternehmen. Kunden kommen nicht zur Ruhe, schieben Entscheidungen, geben kein Feedback. Projekte verzögern sich. Die Folge: Alle löschen nur noch kleine Feuer, statt strategisch nach vorne zu denken.
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