Code, Kultur und Krankenakten
Steffen Heilmann | sda.se
17.02.2026 42 min
In dieser Ausgabe des SWAD Inside Podcasts begrüßt Host Thomas Schindler den Vorsitzenden der SDA SE Open Industry Solutions, Steffen Heilmann. Das in Hamburg verwurzelte Unternehmen agiert als dezentrale Organisation, die über ganz Deutschland verteilt ist, und widmet sich einer Branche, die mancherorts fälschlicherweise als digitaler Nachzügler gilt: der Versicherungswirtschaft. Steffen Heilmann räumt direkt zu Beginn mit diesem Vorurteil auf und betont, dass Versicherungen bereits in den 1950er Jahren zu den absoluten Pionieren der Digitalisierung gehörten. Die heutige Herausforderung der SDA besteht darin, die oft massive Lücke zwischen theoretischen Digitalisierungsstrategien und der produktiven Umsetzung in komplexen, regulierten Umgebungen zu schließen. Das Herzstück ihrer Arbeit bildet die „Service-Dominated Architecture“. Dieser Ansatz versteht sich als eine Weiterentwicklung von Microservices, die nicht nur die technische Ebene betrachtet, sondern auch die organisatorische Implementierung innerhalb eines Unternehmens radikal mitdenkt. Ob es um die Mobilitätsplattform OnPeer oder die Anbindung privater Krankenversicherungen an die Telematikinfrastruktur für elektronische Patientenakten geht – Steffen und sein Team machen Komplexität beherrschbar. Dabei setzen sie auf einen Architekturfokus, der Big-Bang-Migrationen vermeidet und stattdessen auf agile, inkrementelle Fortschritte sowie den Einsatz von Open-Source-Lösungen setzt, um unnötige Herstellerabhängigkeiten zu vermeiden. Hinter den Kulissen führt Steffen Heilmann eine Organisation von rund 40 Mitarbeiter...
Boutique und KI-Handwerk
Hendrik Hobbhahn | gallo-X
03.02.2026 37 min
In der neuesten Ausgabe von SWAD Inside unterhält sich Thomas Schindler von delodi mit seinem Gast Hendrik Hobbahn von galloX über die tiefere Bedeutung von Softwaregestaltung und den Einfluss von Medien auf unsere Gesellschaft. Hendrik Hobbahn, der im südhessischen Dreieich verwurzelt ist, blickt auf einen Werdegang zurück, der ursprünglich im Journalismus und Verlagswesen begann. Seine Erkenntnis, dass Medien oft eher Erwartungen bedienen als reine Wahrheiten zu vermitteln, führte ihn schließlich zur Softwareentwicklung, wo er heute als Thought Partner individuelle Lösungen gestaltet. Das Unternehmen galloX versteht sich dabei als eine Software-Boutique, deren Name auf Hendriks familiäre Traditionen und seine Verbundenheit zur italienischen Lebensart zurückgeht. Der Begriff „Gallo“, italienisch für Hahn, zieht sich durch sein Firmenkonglomerat und findet seinen Ursprung in der Vorliebe seines Vaters für grüne Tinte. Hendrik betont in dem Gespräch, dass es ihm fernliegt, Software von der Stange zu verkaufen; vielmehr geht es ihm darum, im Dialog mit den Kunden deren wahre Intentionen herauszukitzeln und passgenaue Produkte zu entwickeln. Ein wesentlicher Teil des Dialogs widmet sich der Künstlichen Intelligenz, die Hendrik als die nächste industrielle Revolution einordnet. Er warnt jedoch davor, den aktuellen Hype blindlings zu folgen, da KI ohne strukturierte Daten und handwerkliche Präzision keine wertvollen Ergebnisse liefern kann. Am Beispiel von ChatGPT erläutert er, dass diese Werkzeuge auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen basieren und daher zwar Texte flüssig gene...
Qualität, Kultur Verantwortungseigentum
Elias Saalmann | dyve
20.01.2026 38 min
In dieser Podcast-Folge begrüßt Host Thomas Schindler (delodi) den Softwareentwickler und dyve-Geschäftsleiter Elias Saalmann zu einem tiefgreifenden Gespräch über moderne Unternehmenskultur und technologische Exzellenz. Die Geschichte der dyve GmbH, die Elias hier nachzeichnet, ist eng mit dem Wunsch nach Beständigkeit verknüpft: Gegründet wurde das Unternehmen Anfang 2014 von Hendrik Kleinwächter als bewusste Antwort auf die oft flüchtigen und engen Strukturen der Startup-Welt. Das Ziel war es, einen sicheren Hafen und eine stabile Gemeinschaft für Entwickler zu schaffen, die fernab von kurzfristigen Hypes nachhaltig arbeiten wollen. Ein zentrales Merkmal dieser Gemeinschaft ist ihre radikale Remote-Kultur. Schon lange bevor flexibles Arbeiten zum Standard wurde, verzichtete dyve konsequent auf ein festes Büro. Das Team, das heute rund zehn erfahrene Spezialisten umfasst, arbeitet über ganz Deutschland verteilt. Diese Freiheit bei Arbeitsort und -zeit ist jedoch kein Selbstzweck; sie setzt ein außergewöhnlich hohes Maß an Eigenverantwortung voraus, das den Kern der Zusammenarbeit bildet. Inhaltlich versteht sich dyve als eine Art „Feuerwehr“ für komplexe Software-Projekte. Das Team springt immer dann ein, wenn „High-Class“-Entwicklung gefragt ist – oft in Situationen, in denen Projekte in Schieflage geraten sind oder durch den Ausfall von Schlüsselpersonen kritische Lücken entstanden sind. Während die Wurzeln des Unternehmens tief in der „Ruby on Rails“-Welt liegen, agiert dyve heute technologisch agnostisch. Ob Java, Kotlin, React oder Flutter – entscheidend ist nic...
Gründlichkeit statt Hype
Oliver Meimberg | Form4
02.12.2025 41 min
Oliver Meimberg (Form4) steht für Wirksamkeit vor Eitelkeit: Leidenschaft fürs Bauen, das in der Realität läuft – getragen von Rationalität, Ehrlichkeit & „Wahrhaftigkeit“. Form4 entwickelt seit 2000 Web-Apps, Portale & Datenbank-Systeme (Backend Java/PHP, Frontend React/Angular, viel TYPO3), früher strikt Open Source, heute pragmatisch mit Cloud statt Eigenbetrieb. Lieblingskunde: wer komplexe Integration braucht, nicht den x-ten 08/15-Shop. Kultur: dokumentiert, kontrolliert, konfliktarm – Probleme werden logisch gelöst, nicht laut. Blick nach vorn: neben Dienstleistung eigene Produkte bauen (evolutionär, wiederverwendbar), ohne den Anspruch zu verwässern. Positionierung gegen den Zeitgeist: kein „Vibe-Coding“, sondern tiefe Grundlagen, damit die letzten 2 % sitzen. Wunsch an die Welt: mehr Ruhe zum Nachdenken – für Software, die länger hält und wirklich zählt.
Vom Portal zur Agenten-Armee
Karsten Schnappauf | ancud
18.11.2025 28 min
Carsten Schnappauf (Ancud) erklärt, wie sie „Zukunft liefern“: Auf Liferay DXP (Open Source) als Enterprise-Backbone bauen sie sichere, skalierbare Digital Experience Platforms – und integrieren dort LLM-Agenten direkt in Rollen-/Rechte und kuratierte Daten. Ergebnis: bidirektionale KI, die nicht nur „mit Daten chattet“, sondern Termine bucht, Inhalte erstellt und Prozesse im Portal ausführt – enterprise-tauglich statt Bastellösung. Ancud liebt komplexe, regulierte Integrationen und denkt digital horizontal: vom ersten Touchpoint über Shop bis Service-Portal, stets value-getrieben mit KPIs. Botschaft an Deutschland: IT/AI als Value-Center, nicht Kostenstelle; Dateninfrastruktur aufbauen (viele kleine „Gold Nuggets“ statt einem ROI-Einhorn) und Nachhaltigkeit durch digitale Services. Forschung mit FAU, Fraunhofer & Co.: Vision eines Agentic Mesh – jede Software erhält einen spezialisierten Agenten, die gemeinsam Unternehmensaufgaben koordinieren.
Werte statt Bauchladen
Hannes Brockmann | cratos
04.11.2025 37 min
Mut zum Nein: Hannes Brockmann zeigt, wie Cratos Beratung denkt—kundenzentriert, ehrlich, transparent. Das Team sagt bewusst Nein, wenn Lösung, Timing oder Tech nicht passen, und liefert lieber mit Partnern aus der Software-Allianz exakt das, was wirkt. Schwerpunkt: große Carve-outs/M&A-Harmonisierung, IT-Programmmanagement, Cyber Security (eigene Blue-Team-Tochter für SOC) sowie Energie-Transformation via Envise. Der aktuelle Shift: von „agil“ zu datengetrieben & evidenzbasiert—mit Blick auf digitale Souveränität in Europa. Arbeitsweise: erst nachdenken & klären (Sponsor, Zielbild, Risiken), dann im Tandem Fachbereich+Sales liefern; heikle Gespräche vor Ort, operatives Remote. Stack: Methodenkoffer, Kunden-Tools und bei Bedarf maßgeschneiderte Lösungen statt Excel-Monster. Lieblingsaufgaben: komplexe Programm-/Stakeholder-Orchestrierung und Data-Cleanup bis zum nutzbaren Dashboard. Wunsch an die Welt: mehr Mut zur Co-Creation mit Dienstleistern—für Ergebnisse, die halten.
Whitebox statt Wunderkiste
Thomas Kopfstedt | Shiratech
21.10.2025 42 min
Thomas Kopfstedt erklärt, wie ein 30-köpfiges, forschungsstarkes Team aus Physikern, Elektroingenieuren und Techno-Mathematikern bei Shiratech Knowtion „Turning Data into Knowledge“ lebt: Multi-Sensor-Datenfusion, Filter & Prädiktion, deterministische Algorithmen in Echtzeit – auf knapper Embedded-Hardware und für sicherheitskritische Domains (Luftraumüberwachung, Robotik, Industrie, Verteidigung). Der Groove: in Wochen Prototyp, danach der harte Teil – alles fehlertoleranzarm, zuverlässig, zertifizierbar machen. Geliefert wird Whitebox statt Blackbox: Source Code, Requirements, Safety-Analysen, Test-Reports und Coverage – damit Integratoren ohne Bauchschmerzen in Gesamtsysteme einbauen. Zusammenarbeit passiert dicht: frühe Architektur, definierte Verfahren (z.B. Kalman-Varianten), Tandem-Reviews, Whiteboards statt Bullshit. Klarer Datenstandpunkt: ehrliche Daten schlagen viel Daten – ohne Fehlerfälle keine robuste KI; lieber dynamisch samplen (hoch auflösen bei Events) und Privacy by Design (DSGVO, Edge-Auswertung) als Datengrab. Was sie kickt: Missions-Tempo & Millimeterarbeit – schnell lauffähig, dann bis zur 10⁻⁹-Klasse absichern. Wunsch an die Welt: mehr Mut zu echten (auch „peinlichen“) Fehlerdaten, damit Systeme wirklich klüger und sicherer werden.
Vergiss den Smart-Toaster
Christian Schmidt | simplexion
11.09.2025 52 min Thomas Schindler | delodi
Christian Schmidt (Simplexion/Silpion) zeigt, wie „unsichtbare IT“ geht: Hardware + Firmware + sichere Produktion (Keys on-device) – ohne blinkenden Schnickschnack, der Aufmerksamkeit klaut. Simplexion sagt bewusst Nein zu Features ohne Nutzerwert, setzt auf offene Toolchains, Vendor-Agnostik und Architekturen, die Kosten drastisch senken (statt Cloud-Dogma). Getrieben von Werkstolz, Neugier und CCC-Hackerkultur wird repariert, verstanden, Wissen geteilt – gegen Herrschaftswissen, für robuste Produkte. Ein Gespräch über Sinn vor Bling, das kreative Lösen harter Echtwelt-Constraints – und warum Spielen (aka Hacken) die wichtigste Entwickler-Superkraft bleibt.